Rezension: Heavysaurus – Retter der Welt

Wer kennt noch Die Dinos? Diese TV-Serie aus den frühen Neunzigern über das Leben einer von tollen Puppen verkörperten Dinosaurierfamilie, das dem einer typischen amerikanischen Mittelstandsfamilie erstaunlich glich? Wenn man sich statt einer Familie mit anarchischem Baby eine fünfköpfige Rockband vorstellt, kommt man dem Konzept der Heavysaurus schon recht nahe.

In aufwändige, cartoonige Kostüme gesteckte Musiker spielen klassischen Heavy Metal und Hardrock für ein sehr junges Publikum (3-10 Jahre), in der Hoffnung, dass auch die Eltern Gefallen daran finden. Neben der hohen Melodiösität, dem Vermeiden von zu viel Härte und manchen lustigen musikalischen Spielereien sind es vor allem die Texte, die Kinder ansprechen sollen. Heavysaurus bemühen sich dabei um eine große Bandbreite. Absurde und witzige Inhalte haben genauso Platz wie ernstere Themen. In Das letzte Mammut wird der Tod behutsam besprochen, Titelsong Retter der Welt motiviert zum Umweltschutz.

Vielfalt bestimmt auch die musikalische Umsetzung. Neben neu getexteten Coverversionen von Rock You Like A Hurricane (Dinos woll’n euch tanzen seh’n) und Eye Of The Tiger (Stark wie ein Tiger) gibt es auf dem Album 14 Songs, die zwar den melodischen, zahmen Spielarten des Metals überwiegend treu bleiben, innerhalb dieser Grenzen durch variables Songwriting, verschiedene SängerInnen (z.B. Gaststar Doro) und ein paar exotische Ideen aber Abwechslung bieten. Balladen gibt es kaum, dann dafür umso kitschiger, vor allem Die Waldfee.

Das alles ist hochprofessionell und clever umgesetzt. Entscheidend ist, wie es beim Zielpublikum, den lieben Kleinen ankommt. Das kann ich aus Mangel an solchen aktuell nicht beurteilen. Einen Versuch, den Nachwuchs so an energetischere Gitarrenmusik heranzuführen, ist es aber sicher wert. Rolf Zuckowski war gestern.

Retter der Welt erscheint am 27. März 2020 via Europa/Sony Music.

Foto: Susanne Mueller

Rezension: Ozzy Osbourne – Ordinary Man

Mit seinen 71 Jahren ist Ozzy Osbourne längst im Mainstream angekommen. Das demonstrieren eindrucksvoll die Stargäste auf dem ersten Soloalbum des Black Sabbath Frontmannes seit zehn Jahren: Beim Titelstück Ordinary Man singt Sir Elton John mit, Hip-Hop-Held Post Malone ist bei gleich zwei Tracks stimmlich vertreten, auf einem davon rappt auch noch Travis Scott.

Anbiederung an den Zeitgeist? Vielleicht; hätte man sich auf jeden Fall sparen können, denn am meisten Spaß machts, wenn Ozzy die Songs alleine trägt. Was man so natürlich nicht sagen kann, denn die Musiker an den Instrumenten darf man keineswegs unterschlagen. Auch hier Superstars am Start: Duff McKagan (Guns N‘ Roses) Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), Tom Morello (Rage Agains The Machine), Slash. Entsprechend gibt’s insgesamt eher Rock als Metal zu hören.

Ein Totalausfall wie Dreamer von 2001 ist nicht dabei, die Ballade mit Elton Johns Beteiligung ist trotzdem ein Tiefpunkt, was nicht an der Gesangsleistung des Pop-Schwergewichts und erst recht nicht am Gitarrensolo liegt. Umso größer der Kontrast zum verzerrten Goodbye direkt davor, das plötzlich drauflos brettert und synchron das Rockherz schneller schlagen lässt. Auch stark: Der schleppende Rocker Today Is The End mit seinem hypnotischen Refrain sowie das treibende Scary Little Green Men. Soweit die Anspieltipps.

Mit Holy For Tonight wechselt der Altmeister noch mal in den Balladenmodus, das Stück profitiert aber vom schönen Refrain und der mal wieder coolen Sologitarre. Zum Abschluss folgen die beiden Tracks mit Post Malone, von denen der erste auf schnellen, schrägen Krach setzt und sich der zweite, Take What You Want mit Travis Scott, schon deutlich vom Rest der Platte abhebt. Trap- bzw. Cloud Rap-Einflüsse – kurz gefasst: überflüssig. Ja okay, schlecht ist das vielleicht nicht (aber nervig, sorry), würde nur eher auf ein Remix- als ein eigenes Ozzy-Osbourne-Album passen. Doch immerhin eilt am Ende abermals ein verliebenswertes Gitarrensolo zur Hilfe.

Eine Offenbarung? Nein, aber langweilig ist Ozzy auch im Rentenalter nicht geworden. Statt auf aktuelle Chart-Künstler sollte der Prince of Darkness sich aber vielleicht lieber auf seine eigenen Stärken, gar die Wurzeln besinnen. Ein Spätwerk von der Klasse dessen eines Johnny Cashs, das wäre etwas, was dieser Legende des Rock noch zu gönnen wäre.

Ordinary Man erscheint am 21. Februar 2020 via Sony Music.

Der letzte seiner Art

… soll dieser Clip sein, denn er ist der finale Trailer für die die Star Wars-Saga abschließende neunte Episode „The Rise of Skywalker“. Nun, Abschluss zumindest der Skywalker-Saga. Dass weitere Saga-Filme mit anderen Protagonisten kommen, ist ja quasi sicher. Und dass Star Wars in mannigfaltiger Form weitergeht, sowieso.

Doch hier nun ohne weitere Vorrede dieses feine Stück Krieg der Sterne-Historie, das zwar nicht mit einem Paukenschlag endet wie die beiden vorigen Teaser (Stichwort Imperator und Dark Rey), aber dennoch in angemessen feierliche Stimmung zu versetzen vermag:

Rezension: Friedemann – Mehr Sein als Schein – Friedemann Live II

Friedemann ist kein traurig-klagender Vertreter der Singer/Songwriter-Gemeinde. Er möchte, dass die Menschen ihr Leben meistern, einander guttun. Auf seinem zweiten Livealbum regt er die Zuhörer wieder dazu an, unsere Gesellschaft selbst, besser zu gestalten. Ohne Angst, Rassismus und falsche Vorbilder. Aus diesem Drang, aus der Liebe zum Leben, entspringt seine Energie, die er als Sänger der Punkband Cor sehr direkt auslebt. Auf Solopfaden bewegt er sich dagegen leiser und langsamer, aber nicht harmloser.

Mit seiner nordisch-spröden Stimme erzählt und singt sich Friedemann ins Publikumsherz. Ehrlich, direkt. Die Songs grooven stilsicher um dieses stimmliche Zentrum, mit Raum zum Atmen, wie ihr Schöpfer sie auf seiner Insel hat und braucht. Das ist nichts zum Berieseln und nichts zum wortwörtlichen Abfeiern. Sondern zum Kopf einschalten, so will es Friedemann, dessen Kopf immer an ist, wie er berichtet. Ob dieses Hörerlebnis gefällt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, die Intention sollte aber respektiert und beachtet werden.

Der Rügener leitet seine Songs mit Gedanken dazu ein, vorgetragene Liner Notes sozusagen, die zum Nachdenken oder auch Lachen anregen. Spricht von Gleichnissen, Politik, dem Leben mit kleinen Kindern und der Natur, von Liebe, Idolen und Einsamkeit. Das sowie die Reaktion des Publikums darauf erzeugt eine intime Live-Atmosphäre und zieht den Hörer tiefer in Friedemanns Welt.

Die glasklare, voluminöse Aufnahme, frisch wie eine Meeresbrise, steht dem Livealbum verdammt gut; schön ausgewogen ist der Klang und macht der Spielfreude der Musikanten alle Ehre. Es ist fast die gesamte Band Cor, die Friedemann 2018 begleitete und seine Akustikstücke versiert mit reichlich Leben füllte. Das vorletzte Konzert dieser Tour am 23. November im Berliner Lido ist auf der vorliegenden Platte verewigt worden.

Mehr Sein als Schein – Friedemann Live II erscheint am 4. Oktober 2019 via Exile On Mainstream Records.

Foto: © Sophia Vogel

Rezension: Larrikins – Für die, die geblieben sind

Deutschrock, Punkrock, Metal, Poprock und auch Ska und Rap? Was ist das hier? Nun, was ist es nicht? Spoiler: Langweilig! Aber der Reihe nach. Die Larrikins aus Deutschlands Norden legen mit Für die, die geblieben sind ihr viertes Album vor und können mittlerweile auf eine gewachsene Fanbase, zahlreiche Konzerte und Touren mit großen Namen – zusammengefasst 18 Jahre Bandgeschichte zurückblicken.

Zeit genug, dass sich tiefgehende Gedanken formen konnten, die die Band im Rahmen von zwölf Songs veröffentlicht. Thematisch dreht es sich mehr um die fordernden Seiten des Lebens als feuchtfröhliche Punkrockpartys. Drauflosgerockt wird zwar, Wut, Melancholie und Ernsthaftigkeit nehmen aber nicht nur in den Texten viel Raum ein, etwa in Zeuge einer Zeit, dessen Komposition durch erhabene Epik den passenden Rahmen für das Thema Fremdenfeindlichkeit bietet und das mit 6:18 Minuten das längste Stück des Albums ist.

Das folgende Rastlos ist eine Hymne vor allem über die eigene Sozialisation und exemplarisch für die Fähigkeit der Larrikins, bewegende Melodien in raumgreifende Arrangements zu verpacken, die es mit den späten Werken der Toten Hosen aufnehmen können. Auch der Opener Kettenkarussell stellt großes Blockbusterkino dar. Die musikalische Bandbreite ist aber, wie eingangs angeteasert, größer als das:

In Polaroid wird eine Strophe gerappt, Mit dem Rücken zur Wand ist eine starke Ska-Punk-Nummer. Metallische Riffs etwa im schön schnellen Rachetränen lassen den Körper rhythmisch zucken, mehrstimmige Singalongs allerorten freuen das Punkerherz. Leider gibt es mit Geteiltes Leid auch eine aufs Mainstreamradio schielende Ballade, die ein wenig an die unsäglichen Revolverheld erinnert. An den Lyrics gibt es jedoch nichts zu beanstanden.

Eine schönere Assoziation sind die Broilers, die ja mittlerweile auch eine gerne gefällige Mischung verschiedener Rockstile auf Punkbasis mit ausgiebigen Ausflügen in ruhigere Gefilde spielen, jedoch geradliniger texten. Die Larrikins sind vielleicht etwas weniger mitreißend, dafür tiefgründiger. Parallelen zu weiteren Bands ließen sich aufzählen, sollen aber keinen Zweifel an der Eigenständigkeit der Nordlichter aus Mecklenburg-Vorpommern aufkommen lassen. Deren Bandgeschichte wird mit dem vorliegenden vierten Album erfolgreich fortschreiten.

Für die, die geblieben sind erscheint am 4. Oktober 2019 via Rügencore-Records/Cargo Records.

Foto: © Sophia Vogel


Breaking News

Wow! Eine weitere tolle Nachricht aus der TV-Welt: Breaking Bad, von nicht wenigen als beste Serie aller Zeiten bezeichnet, wird von Netflix als Film fortgesetzt: El Camino: A Breaking Bad Movie

Aaron Paul (Jesse Pinkman) und Bob Odenkirk (Saul Goodman) spielen mit; ob die vermeintlich gestorbene Hauptfigur Walter White, dargestellt von Bryan Cranston, auch dabei ist, wurde noch nicht verraten. Drehbuchautor und Regisseur ist Serienschöpfer Vince Gilligan.

Und hier schon der Trailer:

D23-Expo 2019

Am vergangenen Wochenende fand in Anaheim die D23 Expo statt, die jährliche Messe des offiziellen Disney-Fan-Clubs. Traditionell werden hier die ein oder anderen Neuigkeiten bezüglich der verschiedenen Disney-Franchises verkündet.

Da Star Wars seit 2012 zur Disney-Familie gehört, ist die Messe entsprechend auch zur Quelle für Infos aus der weit entfernten Galaxie geworden. Dies kombiniert mit der Tatsache, dass im Herbst 2019 Disneys eigener Streaming-Dienst Disney+ startet, erzeugte große Erwartungen seitens der Fans. Zurecht!

The Clone Wars! Die neue, nachgeschobene, angeblich wieder einmal letzte Staffel der erfolgreichen Animationsserie wird ab Februar exklusiv auf Disney+ laufen.

Die noch unbetitelte Cassian Andor Serie! Viel Neues erfuhr man nicht, kleinere Häppchen heizten die Vorfreude aber an. Ebenfalls auf Disney+.

The Mandalorian! Schon eine Nummer größer, denn hierzu gab es den ersten Trailer – starkes Ding! U.A. mit Carl Weathers, Giancarlo Esposito und Werner Herzog. Natürlich auf dem Streamingdienst des Mauskonzerns.

Kenobi!! So etwa könnte sie heißen, die noch namenlose Serie um Obi-Wan Kenobi mit Ewan McGregor in der Hauptrolle. Das war die Bombe, auf deren Platzen schon lange spekuliert wurde. Seit Jahren gab es Gerüchte um einen oder mehrere Kinofilme, zuletzt wiesen sie stark in Richtung einer Serie und behielten damit Recht. Die Drehbücher sind schon geschrieben, gedreht wird 2020 und wo sie ausgestrahlt wird, dürfte mittlerweile klar sein.

Und als nächstes kommt ja im Dezember noch ein Kinofilm, Episode IX – The Rise of Skywalker. Die dazugehörige Promowelle anfachend wurde ein Plakat veröffentlicht:

UND ein neuer, die Saga umspannender Teaser:

Rezension: Killswitch Engage – Atonement

Als Metal- oder meinetwegen Metalcore-Band für einen Grammy nominiert zu werden, zeugt von beachtlicher Qualität und Anerkennung. Killswitch Engage haben es zweimal erlebt, und zahlreiche andere Meilensteine dazu. Touren mir Iron Maiden, Songs, die über eine halbe Milliarde Mal gestreamt wurden, soche Sachen. Da geht was seit 1999.

Ist aber alles nichts wert, wenn das neue Album vorliegt. Das muss für sich selber sprechen. Und Atonement macht eine klare Ansage: Killswitch Engage rocken nach wie vor im Olymp. Der Mix aus thrashigen Gitarren, Hardcoregeknüppel und dem Wechselspiel aus melodischem Klargesang und kehligem Geshoute wird immer noch in packende Songs gegossen. Viele Melodien, die von dem wunderschön oldschooligen Spiel der Sechssaiter und Jesse Leachs Stimme getragen werden, und ebenso viel brutale Energie, die von treibenden Riffs und peitschenden Drums transportiert wird.

Zwei Songs bieten doppelte Stimmgewalt am Mikrofon: Altsänger Howard Jones sorgt auf The Signal Fire für eine Reunion; Chuck Billy von Testament setzt auf The Crownless King knurrende Akzente. Abwechslung entsteht darüber hinaus durch die der Band eigene Art Songs zu komponieren.

Vergleichsweise ruhige Stücke wie I Am Broken Too oder Us Against The World setzen auf Gänsehaut, Epik und zum Glück nicht Kitsch. Die volle Bandbreite gibt es auf Take Control, das zwischen ruhigen Riffpassagen, erhebendem Refrain, kurz nach vorne preschenden Drums und Gitarrensoli zum ekstatischen Gesichtsverziehen pendelt. Eine Spur härter geht natürlich immer, Ravenous ist bösartig zum Verlieben, während das darauf folgende I Can’t Be The Only One seine Attacke sphärisch sanft einleitet und dann alle kompositorischen Register zieht.

Den einen Song herausheben kann man nicht, weder den absolut herausragenden noch den bitter enttäuschenden. Vom ersten Schuss, der Single Unleashed, bis zum abschließenden Bite The Hand That Feeds: Die komplette Salve schlägt ins Ziel ein. Metalfans fallen glücklich um.

Atonement erscheint am 16. August 2019 bei Sony Music.

iooo auf Insta

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. itsonlypopmom hat unter selbigem Namen seit ein paar Monaten auch einen dieser neumodischen Instagram-Accounts. Mal sehen, ob diese Plattform – Social Media sagt man wohl dazu – sich durchsetzen kann.

Zu sehen gibt’s bunte Bilder, die auch mal schwarz-weiß sein können, mit irgendeinem Bezug zur Popkultur (oder auch nicht). Und im Unterschied zur hiesigen Heimatseite mehr Persönliches (keine Penisbilder).