That sucks!

Man gab den Neunzigern zu wenig Zeit. Ärgerlich! Das hat dieses coole Jahrzehnt nicht verdient. Es wurde so liebevoll in der Coming-Of-Age-Dramedy-Serie „Everything sucks!“ von Netflix portraitiert. Der US-Highscoolalltag vor allem. Klassischer Pop-Stoff also. Unterlegt mit ganz viele Ausrufezeichen setzender Musik. Gleich in der ersten Szene erklingen The Mighty Mighty Bosstones!

Und sonst? Starke Schauspieler in Geschichten über Nerds, eine Theater-AG, verlorene Väter und toughe Mütter. Über unwahrscheinliche Lieben, Freundschaft, Mut. Und mit toller Musik halt! Nein, eine der besten Serien aller Zeiten ist „Everything Sucks!“ mit seiner ersten Staffel noch nicht geworden. Bei weitem nicht. Aber ein sehr liebenswertes Stück TV-Unterhaltung. Eines, bei dem man sich gleich nach der letzten Folge (mit Cliffhanger!) auf die nächste Staffel freut.

Um dann entäuscht zu erfahren, dass Netflix die Serie etwa zwei Monate nach Erscheinen der ersten Staffel schon abgesetzt hat. Abgesetzt ist bei einem Streaming-Anbieter natürlich nicht ganz das richtige Wort. Sehen kann man sie ja jederzeit. Nur fortgesetzt wird sie leider nicht.

Es gibt so viele gute Serien da draußen. Ich selber hole teilweise noch den ein oder anderen Klassiker nach, während ich interessante Neuerscheinungen auf meine To-Do-Liste schiebe. Plötzlich habe ich die Sorge, dass spannende Projekte eingestellt werden, wenn sie nicht schnell genug geguckt werden. Zum Teil ist diese Herangehensweise der Anbieter vielleicht verständlich, schade aber auf jeden Fall.

Doch nichts ist in Stein gemeißelt. Vielleicht bekommt „Everything sucks!“ ja doch noch eine Chance, wenn im Laufe der Zeit genug Zuschauer darauf aufmerksam werden. Los, Kinder der Neunziger, los!

Rezension: Solo – A Star Wars Story

Eben erst war Die letzten Jedi im Kino, schon folgt mit Solo – A Star Wars Story der zweite Ableger-Film der Krieg der Sterne-Saga unter Disney. Der geringe Abstand hat mit den Verschiebungen der letzten Filme zu tun, war ursprünglich nicht geplant. Gut möglich also, dass man künftig wieder zu dem jährlichen Abstand zurückkehrt. Zumal der nächste Streifen aus der weit, weit entfernten Galaxis erst im Dezember 2019 erscheinen wird.

Bis dahin bietet der aktuelle Film vor allem kurzweilige Unterhaltung. Solo macht Spaß, ist rasant, witzig, gut gespielt und einfach charmant. Dass es kein Werk für die Ewigkeit ist, geschenkt. Warum sollten Star Wars-Filme das immer sein? Die Geschichte ist in sich stimmig, aber weder aufregend neu noch golden klassisch. Punkte sammeln die Figuren, die Atmosphäre. Die Details.

Und an diesem Punkt wird es für einen Rezensenten, der glühender Fan des Franchises ist, schwierig. Wie mag ein „normaler“ Kinogänger auf den Film reagieren? Keine Ahnung! Bin ich nicht. Ich liebe die vielen kleinen Anspielungen, die teils nur hartgesottene Fans verstehen. Ich finde es nicht ermüdend, dass längst etablierte Gegebenheiten bebildert werden. Wie Han den Falken gewann. Wie er Chewbacca traf und so weiter. Das ist guter Stoff!

Schauspielerisch glänzt Solo durchweg. Alden Ehrenreich gibt den jüngeren Han verblüffend gut; Emilia Clarke, Woody Harrelson, Donald Glover und Paul Bettany machen alles richtig. Zugegeben, von dem momentan hochgelobten Glover hatte ich noch etwas mehr erwartet. Hat vielleicht damit zu tun, dass bei mir nicht automatisch Assoziationen zum früheren Lando Calrissian geweckt wurden. Was wiederum damit zu tun haben könnte, dass dieser nicht annähernd die Screentime und Bedeutung eines Han Solos hatte, welcher extrem prägend war.

Die musikalische Untermalung ist bei Star Wars mehr als eben das, sie trägt grundlegend zum Erlebnis bei. Doch eingehen werde ich hier nicht weiter darauf, da dazu wahrscheinlich weitere Sichtungen notwendig wären. Neue Themen – Han Solos ist immerhin vom Meister John Williams persönlich geschrieben – haben sich nicht in meinen Ohren vergraben, das war in vorigen Filmen anders. Aber abwarten. Negativ ist nichts aufgefallen.

Am Rande, weil es eher selten ist: Besonders lobenswert ist die deutsche Synchronisation. Der junge Han ist fantastisch getroffen.

Durchaus möglich, dass hier ein Sub-Franchise entsteht und uns weitere Solo-Filme erwarten. Das Ende lässt es vermuten, und meine Stimme haben sie. Mein Geld sowieso. Gebt. Mir. Mehr!

Europas seligmachende Chance?

Entertainment, Show, Circus – auch dafür steht die Abkürzung ESC nicht, der Eurovision Song Contest jedoch durchaus. Am Samstag fand das Finale des 63. ESCs in Lissabon statt. Millionen Menschen weltweit werden das Spektakel verfolgt haben. Warum eigentlich?

Es gibt den oft genutzten Begriff Lagerfeuer TV, der auf den ESC sicher im besonderen Maß zutrifft. Gefühlt ganz Europa versammelt sich vor dem Fernseher; endlich ist es mal vereint. Das schaffen sonst nur Sportübertragungen. In Europas Fall also Fußball oder Olympia. Und wie beim Sport handelt es sich beim ESC um einen Wettkampf, bei der man der eigenen Nation die Daumen drückt und einen kleinen Einblick in das Seelenleben von anderen erhascht.

Im Gegensatz zu Fußball und co. fehlt beim Song Contest jedoch überwiegend der verbissene, schier heilige Ernst – jedenfalls beim Publikum. Stattdessen dominieren Spaß, Irrsinn und teilweise diebische Freude, wenn Künstler sich und ihren Auftritt doch sehr ernst nehmen, die Darbietung dagegen eher unfreiwillig komisch ist. Man könnte es auch Trash nennen, wobei diese Bezeichnung alleine noch nicht ausreicht.

Vielfalt ist eine Stärke, zu der sich der ESC hinentwickelt hat. Und damit einhergehend Unberechenbarkeit. Beides erzeugt Spannung und fasziniert. Unterschiedlichste Stile werden gespielt, musikalisch schlicht bis virtuos. Bekloppt bis bieder, Mainstream und Nische. Ein sicheres Rezept für den Gewinn scheint es nicht zu geben.

Schaut man sich vergangene Sieger wie Lordi, Lena, Conchita Wurst, den letztjährigen Gewinner Salvador Sobral und die aktuelle Erstplatzierte Netta an, fällt es schwer, Gemeinsamkeiten zu finden. Zumindest musikalisch. Man könnte viele von ihnen allerdings als in irgendeiner Form als sehr auffällig bezeichnen. Netta, Sobral und Lordi fielen z.B., jeweils sehr unterschiedlich, stilistisch aus dem Rahmen des üblichen ESC-Liedgutes. Netta, Lordi und Conchita Wurst stachen zudem optisch hervor.

Ein Herz für Außenseiter könnte man dem europäischen (und mittlerweile auch australischem) Publikum also unterstellen, doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Jury und Publikum entscheiden über die Punkte, und insbesondere das Publikum ist schwer einzuschätzen. Hier entsteht auch der Nährboden für Verschwörungstheorien über Nachbarn, die sich untereinander Punkte zuschieben und Abstrafungen für Politik bzw. die Vorstellung eines Spiegels der Beliebtheit von einzelnen Ländern. Was davon zutrifft ist nicht so wichtig, denn es fügt auf jeden Fall eine Ebene der Spannung hinzu und steht im Kontrast zu dem eingangs erwähnten Zusammengehörigkeitsgefühl des Lagerfeuerfernsehens. Mitglieder einer Nationen rücken zusammen angesichts der vermeintlich ablehnenden Haltung anderer Nationen.

Im besten Fall wird die Nationalität jedoch unwichtig, wenn die Sieger auf einer höheren, inhaltlichen Ebene das Publikum vereinen können. Dann werden Ideen von Freiheit, Gleichheit, Diversität oder einfach Liebe in Europa und der Welt geteilt. Ist der ESC nicht also eine tolle Veranstaltung? Wenn er bloß nicht über weite Strecken so langweilig wäre …

Solo und mehr, so viel mehr

Nach langem Warten erfreute Lucasfilm die Star Wars-Gemeinde während des Superbowls mit den ersten bewegten Bildern aus Solo – A Star Wars Story, der schon im Mai in die Kinos kommt (und damit der erste Star Wars-Film unter Disney ist, der zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt erscheint). Der kurze Teaser wusste zu gefallen, war aber nur ein erster Appetithappen.

Tags darauf folgte während der TV-Show Good Morning America der längere Teaser-Trailer. Aufregend, aber vielleicht doch nicht genug, denn Lucasfilm haute heute den nächsten Kracher raus: Die Ankündigung, dass die Game Of Thrones-Macher David Benioff und D.B. Weiss eine neue Star Wars-Filmreihe schreiben und produzieren werden, nachdem die Arbeit an der jetzt schon überlegendären Fantasy-Serie beendet ist.

Natürlich basiert diese kleine Serie auf den Büchern von George R.R. Martin, so dass ihre inhaltliche Qualität nicht in erster Linie Benioff und Weiss zuzuschreiben ist. Dennoch: Aufregend!

Und damit darüber nicht in Vergessenheit gerät, dass in wenigen Monaten Solo ansteht, hier der kleine Teaser, gefolgt vom größeren:

Kritik: Star Wars – Die letzten Jedi

Seit einer guten Woche läuft Star Wars – Die letzten Jedi in den Kinos. Die Frage, die sich nun beim Tippen stellt: Ist das schon genug Zeit, um den Film erfasst zu haben und adäquat bewerten zu können? Auch nach zwei Sichtungen? Sicher, es gibt unzählige Kritiken bereits wenige Stunden nach den Pressevorführungen. Berufsschreiber haben keine andere Wahl. Oft braucht Kunst aber mehr Zeit, um wirken zu können. Damit soll nicht gesagt werden, dass dies eine bedeutendere Besprechung sei, definitiv nicht. Aber, dass die achte Episode des Sternenkrieges ein Brocken ist, den man vielleicht erst eine Weile sacken lassen muss, um sein Gewicht abschätzen zu können.

Sein Vorgänger Das Erwachen der Macht war leichter zugänglich. Ein flott inszenierter Ritt vom Start zum Ziel. Stolpersteine waren jedoch die Leerstellen und auf sie verweisende Andeutungen. Man blieb mit reichlich Fragen zurück. Manche stellte der Film selber explizit, andere drängten sich einfach auf, weitere waren wohl vor allem für tiefer in der Materie steckende Zuschauer relevant. Aus ihnen erwuchs eine Erwartungshaltung, mit der viele Fans in die Fortsetzung gingen.

Episode VIII-Drehbuchautor und -Regisseur Rian Johnson versteht es, mit diesen Erwartungen zu spielen. Er erfüllt sie, ignoriert sie, unterläuft sie – alles eine Frage des Standpunktes. Daraus resultieren wohl die kontroversen Reaktionen innerhalb des Fandoms. Während Berufskritiker den Film sehr positiv beurteilen, ist die Anhängerschar tief gespalten. Bester Teil des Franchises, Tod des Franchises – an diese Extreme nähern sich erstaunlich viele Meinungen an oder erreichen sie sogar.

Ist Die letzten Jedi denn so völlig anders? Eigentlich nicht. Er ist bildgewaltig, wie ein Star Wars-Kinofilm einfach sein muss. Bietet tolle Musik, wenn auch zu wenig Neues. Das schönste neue Stück „The Rebellion Is Reborn“ verströmt wunderbaren 80er Jahre-Jugendabenteuerfilmflair, ein unerwarteter Boost nostalgischer Magie. Wie in vergangenen Tagen gibt es auch Gut und Böse natürlich noch. Doch hier verlässt Johnson ein wenig die bekannten Pfade. Ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat oder ihn weit genug gegangen ist – wieder eine Frage des Standpunktes. Vielleicht wäre noch mehr drin gewesen.

Analog zum Mittelteil der Originaltrilogie, Das Imperium schlägt zurück, werden die Figuren weiterentwickelt. Diese Aufgabe bewältigt Johnson überzeugend. Wichtigste Themen sind Identitätssuche, Hoffnung, Scheitern, die Beziehung von Meister und Schüler – und das Überwinden von Vergangenem, geradezu ein Kommentar auf Metaebene. Teils plakativ, teils subtil finden sich diese Motive bei allen Hauptfiguren wieder. An wenigen Stellen gibt es dabei einen Schuss zu viel Kitsch und Pathos.

Demgegenüber stehen zum Teil skurrile Szenen, die den Humor manches Zuschauers herausfordern. Nur so viel, da es ja höchst individuell bewertet wird: Der Humor funktioniert größtenteil sehr gut. Die Art, wie und wie oft er eingesetzt wird, trägt zur Kontroverse unter den Fans jedoch durchaus bei.

Eine einzige Einstellung, eine Zeile ist fragwürdig, ansonsten gibt es am Schauspiel nichts auszusetzen. Durchaus beachtlich, wenn man bedenkt, dass man es mit Space Fantasy zu tun hat, einer Gattung, die selten mit darstellerischen Glanzleistungen punktet. Star Wars war da immer schon eine Ausnahme, auch wenn die Filme natürlich nicht den Rahmen für oscarwürdige Darbietungen liefern. Die letzten Jedi ist vielleicht sogar Klassenbester der Saga, zumindest weit vorne. Insbesondere die Hauptdarsteller ringen ihren Rollen sehenswerte Nuancen ab.

Man kann dagegen einen General Hux zwar als Parodie wahrnehmen, schlecht gespielt ist er aber nicht, die Rolle nun mal so angelegt. Einerseits eine zum Genre passend altmodische Darstellung der Bösen als teils lächerliche Gestalten – andererseits ein leider allzu aktuelles Spiegelbild heutiger Realität mit Karikaturen-Kims und Deppen-Donalds. Gegensätze, auch so ein Thema des Filmes. Im erzählerischen Ton, in den Farben und vor allem den Figuren.

Auf sie hat Rian Johnson sich konzentriert, womöglich zu sehr, beziehungsweise besser gesagt zu sehr auf Kosten des Drumherums, das zugegebenermaßen die Fans mehr interessiert als den Gelegenheitszuschauer. Die eigentliche Geschichte des Filmes spielt sich in einem recht engen Rahmen ab. Der Widerstand flieht vor der ersten Ordnung. Rey trifft auf Luke Skywalker, Kylo Ren und Snoke. Gerade dem erstgenannten Handlungsstrang kann man (zu) viele Logikbrüche vorwerfen.

Daher ein ernstgemeinter Tipp, wie man ihn auf einer angenerdeten kleinen Seite wie dieser jederzeit erwarten muss: Star Wars ist Fantasy, Space Fantasy. Das bedeutet, es bildet nicht unsere reale Welt ab. Die Dinge laufen nicht so wie bei uns. Den Weltraum etwa muss man sich bei Star Wars eher wie ein Weltmeer vorstellen. Nicht genauso, aber tendenziell. Schon Episode V zeigte ja eine riesige Schnecke, die in einem Asteroiden lebte. In unserem Universum eher nicht vorstellbar. Vom Klang im All ganz zu schweigen, auch wenn der nochmal ein eigenes Thema ist (nur für den Zuschauer hörbar?). Verinnerlicht man dies, kann man vielleicht akzeptieren, dass Schiffe langsamer werden, wenn ihnen der Treibstoff ausgeht, obwohl sie in unserer Welt mit unveränderter Geschwindigkeit weiterreisen würden.

Die eigentliche Wahrheit ist natürlich, dass der ursprünglichen Zielgruppe der Reihe, ca. zehnjährigen Kindern, solche Fragen kaum wichtig sind. Auch wenn der Krieg der Sterne seit seinen Anfangstagen erwachsener geworden ist, steht er noch in dieser Tradition.

Wendungen, Überraschungen, Neues. Vor allem aber Spektakel, Witz und Charaktermomente. Langweilig ist Die letzten Jedi trotz stolzer Spielzeit nie. Immerhin ein Wert für sich, allerdings keiner, der auf lange Sicht zu den bedeutenderen gehört. Wie diese langfristige Rezeption aussehen wird, kann sich auch nach etwas über einer Woche noch nicht abschätzen lassen. In dieser Hinsicht bleibt der Film jenseits gelöster oder ungelöster Mysterien spannend. Und wichtig – für das Franchise.

 

Update 7. Januar 2018:

Nach einer weiteren Sichtung muss die Besprechung an einer Stelle wohl korrigiert werden: Wenn im Film die Rede davon ist, dass den Schiffen der Treibstoff ausgeht und die erste Ordnung sie daher vernichten kann, lässt sich dies scheinbar rein auf die Energieversorgung der Schutzschilde beziehen, die ohne den Treibstoff nicht mehr gewährleistet ist. Auch ohne diesbezügliche definitive Sicherheit lautet das Urteil bei Film vs. Kritik sehr gerne 1:0.

… eine große Erschütterung der Macht

Als ob Millionen in manischer Freude aufschrien …

Stimmt, es gab hier schon viel zu lange keine Zeilen über Star Wars. Schnelle Abhilfe leistet dieser maximal-wuchtige Doppelschlag:

Auf was hofften all die Fanboys und -girls seit 2005, als Episode III, der vermeintlich letzte jemals produzierte Star Wars-Film, im Kino lief? Eine Realserie, zu der es immer mal wieder offizielle Verlautbarungen und Gerüchte gab. Ist geplant, wird dran gearbeitet, ist aktuell zu teuer etc. So ging das jahrein, jahraus. Bis 2012 – Peng, Disneydeal, neue Filme, wer denkt da noch an eine Realserie.

Doch letzte Woche kam die Nachricht, auf die mancher seit über zehn Jahren wartete: Die offizielle Ankündigung einer Star Wars Live Action Series. Erscheinen wird sie auf Disneys eigenem Streaming-Dienst, der 2019 an den Start geht. Mehr wurde noch nicht verraten. Und was ist die Ironie dieser kleinen Geschichte? Dass jene Meldung, die jahrelang als größtmögliches Ereignis im Sternenkriegskosmos galt, nun fast unterging.

Denn zeitgleich wurde mal eben so, locker aus der Hüfte auf einen Rodianer zielend, eine weitere Info rausgeblastert: Rian Johnson, Regisseur der im Dezember in die Kinos kommenden „Episode VIII – The Last Jedi“, wird eine eigene Trilogie verantworten. Drei neue Star Wars-Filme, losgelöst von der Skywalker-Saga mit unbekannten Figuren in bisher unerforschtem galaktischen Terrain. Im übertragenen Sinne. Oder wortwörtlich. Über den Inhalt weiß unsereins nämlich bis auf diesen vagen Hinweis nichts.

Rian Johnson wird schon jetzt von vielen Fans gefeiert, obwohl sein Beitrag zum Krieg der Sterne-Universum der Öffentlichkeit, abgesehen von Trailern, noch unbekannt ist. Als Colin Trevorrow vom Regieposten für Episode IX abgezogen wurde, hofften nicht wenige auf Rian Johnson als Nachfolger. Es wurde J.J. Abrams, der diesen Job auch schon bei Episode VII erledigte. Tja, vielleicht hatte das mit einer frisch geplanten Trilogie zu tun, die Rian Johnson erschaffen und bei deren ersten Teil er auch das Drehbuch schreiben und es als Regisseur zudem verfilmen soll.

Die Vorfreude auf Dezember wurde dadurch weiter angeheizt. Denn wenn Lucasfilm und Disney so von Rian Johnson überzeugt sind, dass sie ihm eine Trilogie in die Hand geben, muss die bisherige Zusammenarbeit ja ziemlich erfolgreich sein. Oder wurde all das zu diesem überraschenden Zeitpunkt, eben relativ kurz vor dem nächsten Kinofilm, nur bekanntgegeben, um Disneys schwächelnden Aktienkurs in die Höhe zu treiben? (Hat geklappt.) Vielleicht. Und: Egal. Es sind verdammt aufregende Zeiten für Star Wars-Fans.

Epictalk

Endlich – die siebte Staffel von The Walking Dead hat die Streamingdienste erreicht. Spannung bis in die entlegensten Nervenenden, unappetitliche Untote und … selbst Beißer bändigende Monologe. Diese so unvorstellbar harte Welt, in der die Menschen nach dem Beginn der Zombie-Epidemie überleben müssen, scheint sie nicht nur zu Nahkampfexperten, sondern auch zu reinrassigen Rhetorik-Recken gemacht zu haben.

Schweres Geschütz kommt zum Einsatz: Längst vergangene Ereignisse werden einnehmend vorgetragen und unvermittelt in einen neuen Kontext gesetzt, um einen augenöffnenden Kommentar zur aktuellen Situation zu liefern. Verbindungen zwischen Begebenheiten gezogen, die den Weg in die Zukunft weisen sollen. Absichten anhand von Gleichnissen vermittelt.

Mal ehrlich. Wer von uns kann schon aus dem Nichts derart bedeutungsschwangere Reden unfallfrei vortragen? Minutenlang? Kein Verhaspeln, kein Nachdenken. Kein „Ähm, weißte, was ich meine?“

Klar, diese Monologe, teils auch als Dialoge getarnt, stellen den Gegenpol zu der heftigen Gewalt dar. Sie sollen dem ganzen Gewicht geben. Taten mit Bedeutung aufladen und Emotionen intensivieren. The Walking Dead nutzt dieses Mittel sicher nicht exklusiv, hier ist es mir aber besonders aufgefallen. Denn sie übertreiben es schlicht ein wenig. Extreme Gewalt und Brutalität sollte nicht mit extrem tiefschürfenden Reden kontrastiert werden. Jedenfalls nicht zu oft. Denn während das eine krass, aber glaubwürdig ist, ist es das andere nicht. So spricht kaum jemand. Ja, es sind besondere Zeiten, durch die diese Figuren wandeln. Und außer ihren Gedanken haben sie nicht mehr viel.

Dennoch – Zombies als Rhetorikkatalysatoren? Stellt euch an dieser Stelle statt weiterer Worte einen skeptischen Gesichtsausdruck à la Daryl Dixon vor. Also einfach seinen normalen Gesichtsausdruck.

Hoffentlich überleben er, Rick und co. noch eine Weile, damit wir weiterhin bei ihren Reden mit den Augen rollen können. Zur Erholung von der zombieszerfetzenden Spannung …

Trailertraum

„This is not going to go the way you think.“

Einen schönen Leitspruch, den uns Luke Skywalker da im neuen Trailer zu The Last Jedi (Die letzten Jedi) bietet. Zu wem sagt er ihn? Rey? Das wird suggeriert, aber sicher kann man sich wohl über nicht allzu viele Zusammenhänge sein.

Kürzen wir das hier ab: Es ist ein großartiger Trailer, der am Dienstag auf die Welt losgelassen wurde. Bombastisch und pompös in Bild und Ton, wie das heutige Blockbusterbewerbungen nun mal sind. Das muss man nicht gut finden; vor noch nicht sehr langer Zeit, etwa der der Prequels, herrschte teils erhabene Ruhe in dem Bilderreigen. Sei’s drum, wenn man die Anbiederung an aktuelle Sehgewohnheiten akzeptiert, kann man sich zurücklehnen und genießen. Staunen. Eine der Urreaktionen auf Star Wars. Vor allem, wenn man ein Fan ist und aus dem Staunen Fragen entstehen. Will Kylo Ren wirklich auch seine Mutter Leia töten? Wohin entwickelt sich seine Beziehung zu Rey? Und wie verhält sich Luke Skywalker inmitten all dem? Die gute Nachricht: Er verhält sich irgendwie, was deutlich mehr ist, als ihm im Vorgänger The Force Awakens (Das Erwachen der Macht) zugestanden wurde.

Der Trailer zeigt scheinbar viel. Der durchinformierte Spoilersüchtling weiß indes, das ganz viel nicht gezeigt wurde: Neue Figuren, wie die von Benicio Del Toro, Kelly Marie Tran und Laura Dern gespielten Charektere. Die Welt Canto Bight, in deren Casinoglanz Finn (John Boyega) und Rose (Tran) Abenteuer auf starwarsigen Rennpferden erleben werden. Nicht zuletzt hält der Trailer, aber das ist normal, die tatsächliche Filmmusik zurück. John Williams‘ neue Stücke werden für manchen Liebhaber die wahren Stars der Sterne sein.

Agiert Mark Hamill oscarreif? Geht die Geschichte in die Tiefe, wie kaum eine Episode der Saga zuvor? Werden schockierende Wendungen selbst Reddit-Exegeten überraschen? Der Trailer verspricht all dies und hat damit seine Aufgabe mehr als erfüllt.

Nun muss nur noch der Film nachlegen.